Zusatzgeräte

„Headgear“

HeadgearDer Headgear ist ein „unbeliebter Klassiker“ der Kieferorthopädie. Das heute noch verwendete Konstruktionsprinzip wurde erstmalig 1947 beschrieben. Mit dem Headgear kann ein Einfluss auf die oberen Molaren oder auch auf den kompletten Oberkiefer ausgeübt werden. Die Zielrichtung der induzierten Bewegung ist entweder nach hinten, nach hinten/oben oder rein nach oben gerichtet. Damit der Headgear bewirken kann, wozu er eingesetzt wird, muss eine tägliche Tragezeit von mindestens 16 Stunden erfüllt sein. Dies Gerät trifft leider nicht die ästhetischen Erwartungen der meisten Jugendlichen und ist aus diesem Grunde unbeliebt.

„Pendulum“

PendulumDas Pendulum ist eine festsitzende Apparatur zur Bewegung der oberen Molaren nach hinten. Damit ist das Pendulum in gewissem Umfang eine Headgear-Alternative. Das Pendulum wird auf den Prämolaren und den Molaren im Oberkiefer befestigt und aktiviert. In den folgenden 3 – 5 Monaten werden die Molaren nach hinten bewegt und es bilden sich Lücken im vorderen Seitenzahnbereich. Die Apparatur kann vom Patienten selbst nicht entfernt werden. Zur Mundhygiene sollte unbedingt eine antibakterielle Mundspüllösung zusätzlich verwendet werden. Auf die Arbeitsphase mit dem Pendulum folgt meistens eine aktive Platte mit der die erzeugten Lücken “weiterverarbeitet” werden.

„Carriere Distalizer“

Carriere DistalizeEbenfalls ein Alternativgerät zum Headgear. Beim Carriere Distalizer werden die Seitenzahngruppen des Oberkiefers mittels starker Gummizüge und einer Verankerung am kompletten Unterkiefer nach hinten bewegt. Der Carriere Distalizer wird auf den Eckzähnen und den ersten Molaren des Oberkiefers festgeklebt. Im Unterkiefer wird auf den ersten Molaren ein Bracket zum Einhängen der Gummizüge befestigt. Damit im Unterkiefer keine unerwünschten Zahnwanderungen entstehen, wird eine transparente Retentionsschiene zur Stabilisierung verwendet. Die Schiene sowie die Gummizüge sollen außer zu den Zeiten der Mundhygiene und den Mahlzeiten konstant den ganzen Tag als auch die ganze Nacht getragen werden. Das Gerät erreicht bei dem Befolgen der Tragezeit binnen weniger Monate das gewünschte Ziel. Es gibt auch einen Carriere Distalizer, der als Alternative zum reversen Headgear nach Delaire verwendet werden kann.

„Reverse Headgear“

Reverse HeadgearDer reverse Headgear nach Delaire ist das Gegenstück zum klassischen Headgear. Mit dem reversen Headgear soll der komplette Oberkiefer nach vorn entwickelt werden. Dies ist nötig, wenn die unteren Frontzähne vor die oberen Frontzähne beißen bzw. skelettale Diskrepanzen zwischen dem Ober- und dem Unterkiefer (im Sinne einer Überentwicklung des Unterkiefers) vorliegen. Die Umstellung des frontalen Überbisses erfolgt durch das Tragen von starken Gummizügen, die an einer festen Verankerung im Oberkiefer und dem vor dem Gesicht getragenen reversen Headgear befestigt sind. Der reverse Headgear und auch die Gummizüge können und werden von dem Patienten selbst befestigt bzw. gelöst. Eine tägliche Tragezeit von ca. 16 Stunden ist zur erfolgreichen Umstellung notwendig. Anschließend kann eine wachstumsbegleitende Therapie mit dem FR III möglich sein. Ein spezieller Carriere Distalizer kann eventuell ein Alternativgerät zum reversen Headgear sein.

„Lipbumper“

LipbumberDer Lipbumber ist ein Gerät zur Bewegung der unteren Molaren nach hinten. Auf den ersten Molaren im Unterkiefer werden Metallringe mit jeweils einem Röhrchen (Tube) mittels eines kieferorthopädischen Klebers befestigt. Der Lipbumber wird vom Patienten selbst in die Tubes eingesteckt und dann fleißig getragen. Die Kraft zur Bewegung der unteren Backenzähne kommt aus der vom Lipbumber gespannten Unterlippe. Äußerlich ist das Gerät an der etwas vorstehenden Unterlippe erkennbar. Der Lipbumber soll außer zu den Mahlzeiten und zu den Zeiten der Mundhygiene immer im Mund sein.

„Apparatur zur Erweiterung der Gaumennaht“

Erweiterung der Gaumennaht gneDie Gaumen-Naht-Erweiterungs-Apparatur (GNE) dient der transversalen Erweiterung einer schmalen Oberkieferbasis. Dies ist besonders bei Breitendifferenzen zwischen Ober- und Unterkiefer (schmaler Oberkiefer und breiter Unterkiefer = einseitiger oder beidseitiger Kreuzbiss) nötig. Die GNE ist eine Metallkonstruktion aus einer Dehnschraube und Befestigungsringen. Sie wird auf den Verankerungszähnen mittels eines kieferorthopädischen Klebers befestigt und kann vom Patienten nicht entfernt werden. Die Dehnschraube wird von einem Familienangehörigen nach den Anweisungen des Kieferorthopäden täglich gestellt. Die Dehnphase ist mit wenigen Tagen bis Wochen recht kurz. Zwischen den mittleren oberen Frontzähnen entsteht während der Dehnung eine deutliche Lücke. Diese wird während der sich anschließenden Stabilisierungsphase wieder kleiner, zeigt aber initial deutlich den erreichen Dehnungseffekt an. Das Gerät verbleibt anschließend im passiven Zustand noch ca. ½ Jahr. Durch diese basale Kieferdehnung wird auch ein besserer Luftdurchfluss durch die Hauptnasenhöhle erreicht.

„Retainer“

Der Retainer ist ein festsitzendes Gerät zur Stabilisierung der Frontzahngruppe. Ein Retainer kann im Unterkiefer als auch im Oberkiefer zum Einsatz kommen. Er besteht aus einem Edelstahldraht, der mittels eines kieferorthopädischen Klebers wie eine Kunststofffüllung an den Front – und Eckzähnen festgeklebt wird. Dort soll er über viele Jahre verbleiben und Zahnwanderungen verhindern. Als Retainermaterial kann auch ein Golddraht oder Glasfasern verwendet werden.

„Elatics“

ElaticsAls Elastics werden kleine Gummiringe bezeichnet, die der Patient nach den Anweisungen des Kieferorthopäden im Kiefer bzw. zwischen den Kiefern einhängen und konstant tragen soll. Sie dienen der Stellungskorrektur einzelner Zähne z. B. beim Lückenschluss oder auch der Korrektur der Lage des Unterkiefers zum Oberkiefer. Damit diese Gummiringe effektiv die Kraft auf die Zähne übertragen können, müssen sie durchgängig inklusive zu den Mahlzeiten getragen werden. Sie sollen ausschließlich zu den Zeiten der Mundhygiene entfernt werden. „Viel hilft viel.“ Wer sich nicht an diese Regel hält, kommt nicht vorwärts und die Behandlung mit der festen Zahnspange dauert länger als nötig.

„Herbst-Schanier“

Ein Herbst-Schanier ist eine festsitzende Apparatur, mit deren Hilfe der Unterkiefer in eine weiter vorn gelegene Lage korrigiert werden kann. Die neben den Zahnreihen angebrachten Schubteleskope führen und halten den Unterkiefer in der therapeutisch eingestellten Lage. Das Herbst-Schanier kann sowohl einseitig als auch beidseitig zur Anwendung kommen. Die volle Tragezeit ergibt sich aus dem festsitzenden Charakter der Apparatur.